Lage bei den Wadan Werften schwierig, aber nicht aussichtslos

19. Juni 2009

Im Rahmen von zwei Betriebsversammlungen in Warnemünde und Wismar informierten heute die Geschäftsführung und der vorläufige Insolvenzverwalter der Wadan Werften, Marc Odebrecht, die Belegschaft über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Eingeladen hatten die Betriebsräte der Standorte.

Nach einer intensiven Prüfung der Unternehmenssituation stellt sich die Lage wesentlich schlechter dar als bislang bekannt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist keines der laufenden Schiffbauprojekte sicher finanziert. Lieferanten haben rund 90 Millionen Euro an offenen Forderungen gegenüber dem Unternehmen. „Ein sicherer Auftrag hat einen Gegenstand, einen Vertrag, eine Finanzierung und sorgt unmittelbar für Beschäftigung. Wir haben heute eine Werft ohne sichere Aufträge und ohne liquide Mittel“, sagte Odebrecht.

Die Lage sei sehr schwierig, aber nach wie vor nicht aussichtslos. Anlass zur Hoffnung geben die zurzeit laufenden Gespräche mit Banken zur Finanzierung des Fertigbaus von insgesamt vier Schiffen, darunter die beiden RoPax-Fähren für Stena Line. Die Verhandlungen, die bislang geführt wurden, seien sehr konstruktiv und lösungsorientiert gewesen. Trotzdem müssen diese schnell abgeschlossen werden, damit wieder Aufträge an Lieferanten erteilt werden können und beim Bau der Schiffe kein weiterer Verzug eintritt. Wenn dies erreicht wird, sei Zeit gewonnen und eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Odebrecht machte gegenüber der Belegschaft aber auch deutlich, dass es derzeit nicht einmal Beschäftigung für die Hälfte der 2.400 Mitarbeiter von Wadan Yards Germany gebe. Die Beschäftigungssituation werde auf der Rostocker Werft ab Ende August sogar gegen null gehen. Selbst wenn neue Aufträge gewonnen würden, sorge dies nicht sofort für Beschäftigung. „Das ist eine traurige Wahrheit, die uns alle sehr bewegt. Aber die Wahrheit bin ich Ihnen in dieser Stunde schuldig“, so Odebrecht gegenüber den Mitarbeitern der beiden Standorte. Derzeit werde nach Lösungen gesucht, um die sozialen Härten für die Belegschaft abzufangen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter hob die Vorteile hervor, die Wadan Yards Germany für mögliche Investoren interessant mache: „Wir haben hochqualifizierte Mitarbeiter, moderne und funktionsfähige Werften, eine attraktive geographische Lage und Know-How, zum Beispiel für eisbrechende Spezialschiffe.“ Außerdem spüre das Unternehmen die breite Unterstützung und Offenheit von allen Seiten. Die Vorbereitungen für die Investorensuche haben bereits in dieser Woche begonnen.

Er lobte ausdrücklich den Betriebsrat für die vertrauensvolle Zusammenarbeit seit dem Beginn seiner Tätigkeit und dankte der Belegschaft für ihre Disziplin, Moral und Besonnenheit trotz der schwierigen Rahmenbedingungen. „Wir wissen um Ihre persönliche Lage. Viele von Ihnen haben Familie und bangen um Ihre Zukunft. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Wir sind nun eine Schicksalsgemeinschaft und werden gemeinsam für die Arbeitsplätze und das Unternehmen weiterkämpfen“, so Odebrecht.

Wadan Yards ist eine multinationale maritime Gruppe für Entwicklung, Konstruktion und Fertigung. Sie ist Inhaberin führender Werften in Deutschland und der Ukraine. Insgesamt werden rund 5.000 Mitarbeiter beschäftigt, hiervon rund 2.500 in Deutschland. Wadan Yards Germany hatte am 05. Juni 2009 nach dem Rückzug von finanziellen Zusagen aus dem Gesellschafterkreis einen Insolvenzantrag gestellt.

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